Einige persönliche Worte...

   

Im Alter von 17 Jahren begegnete ich im Bregenzerwald in Vorarlberg einem traditionellen indigenen Schamanen aus Kolumbien, Juan Perez Epiayu vom Stamm der Wayuu.

Es fügte sich, dass ich seine einzige Schülerin wurde, die den kompletten Lehrzyklus in der Dauer von 16 Jahren abschloss. Er sah mich als seine Tochter, ich ihn als meinen Vater. Das war für unser Schülerin–Lehrerverhältnis durchaus förderlich und ließ uns mit den Herausforderungen und unseren kulturellen Unterschiedlichkeiten besser umgehen. Es klingt fast unglaublich, dass vor über 30 Jahren ausgerechnet eine österreichische, junge Frau eine traditionelle, schamanische Lehre machen konnte. Manche Fügungen sind unerklärlich. Noch in vielen indigenen, schamanischen Kulturen ist es eigentlich die Frau, die Heilerin und Schamanin ist. So auch bei den Wayuu, die ihre Wurzeln im Amazonas haben und nun auf der Halbinsel Guajira leben.

Juan hatte eine Vision und ich war ein Teil davon.

Mit 21 Jahren wurde ich in einem Initiationsritual seine persönliche Schülerin. Der Weg mit „El Chaman“, wie er in Kolumbien genannt wurde, war alles andere als romantisch und einfach. Juan war gnadenlos und – aus europäischer Sicht - ziemlich streng, mit harter Durchsetzungskraft. Mehrmals wurde mein Ego komplett zerbröselt und ich befand mich im absoluten Nichts, auf allen Ebenen, am Nullpunkt, an dem Neues kreiert werden konnte. Übersetzt bedeutet dies, dass mein gesamtes Leben mehr als einmal komplett zusammenbrach, dass ich fast alles verlor: Haus, Mann, Arbeit. Jedoch nie meine Kinder. Sie waren immer mit mir und um mich.

Dennoch, wenn da nichts mehr ist, wo man sich festhalten kann, niemand der einen auffängt, wenn man bitterste Armut durchlebt und in absoluter Einfachheit wohnt, dann kann man wirklich lernen, was es bedeutet, im Vertrauen zu sein, Vertrauen an das eigene Leben, den Seelenplan, die Aufgaben, an die spirituellen Kräfte und an den großen Geist, Gott, diese eine unglaubliche Kraft, durch die alles entsteht. Dafür waren diese Krisen da.

Juan war es sehr wichtig ,die Lehrzeit hauptsächlich in Europa zu absolvieren. Um mit unseren Pflanzen und Tieren zu lernen, mit den Steinen und Kräften, mit unseren Spirits aber auch mit unserer Mentalität und unseren Krankheiten zu arbeiten. Es ging ihm nicht darum, seine Kultur und Rituale hierher zu transportieren, um diese auswendig zu lernen, sondern in wochenlangen Wanderungen, barfuß bis auf 2000 m Höhe und noch mehr, fastend, schweigend, sich mit den Elementen verbindend, zu reinigen und von der Natur zu lernen. Vollkommen abseits der Komfortzone.

In den vielen Jahren führte mich Juan auch zu anderen indigenen Kulturen, um meine Erfahrungen zu vertiefen. Über unsere ersten Jahre berichte ich in meinem Buch „Der Ruf der Geister“. Besonders prägten mich die Lernjahre mit Henrietta Beaver Woman und Frances Two Star Woman, zwei ganz tollen, starken Lakota Medizinfrauen, die mich sieben Jahre lang im Ritual der Schwitzhütte unterrichtet haben. Das war eine Sensation, denn damals war es Weißen streng verboten, Schwitzhütten zu leiten und Beaver und Two Star hatten Einiges mit den Ältesten zu diskutieren und auszustehen.

Mit Sicherheit ist es unter anderem der strengen Schulung von Juan zu verdanken, dass mich auch die Lakotaschwestern als ihre Tochter aufnahmen, da sie meine Disziplin, meinen tiefen Herzensruf, mein Leben ganz dem Medizinweg zu widmen, achteten und mich schließlich nach einigen Prüfungen, Visionssuchen und Tänzen im Schwitzhüttenweg unterrichteten.

Heute bin ich Mitte 50, fünffache Großmutter, und lebe seit über 20 Jahren hauptberuflich als schamanische Lehrerin und Heilerin. Nun ist die Zeit gekommen, all meinen Erfahrungsschatz, all die Lehren, die ich als Hüterin des alten Wissens erhielt, weiterzugeben und zu teilen.

Ich musste eine Brücke bilden, einige schamanische Lernwege, die ich ging, überprüfen. Vom alten, traditionellen Weg, der so rein wie möglich erhalten werden soll, um die Kraft in dem Feld nicht zu schwächen, bis hin zu den Ansprüchen und Anforderungen der heutigen Zeit.

Es hat einige Jahre gedauert um ein Konzept zu entwickeln, welches meinen Lehren gegenüber authentisch und wahrhaftig bleibt und sich dennoch anpasst, an die Entwicklungen weltweit, die tiefen gesellschaftlichen Veränderungen und den Bewusstseinswandel, der geschieht.

Ich bin mit Sicherheit einer der Wenigen in Europa, die eine so tief umfassende, langjährige, kontinuierliche, schamanische Ausbildung erhalten haben. In der traditionellen Arbeit sind Wirkungsfelder, die nur dadurch möglich sind, dass bereits Jahrtausende und Millionen von Menschen diese Felder gewoben und kreiert haben. Manchmal höre ich, die Tradition braucht es nicht mehr. Doch was ist Tradition im schamanischen Sinne? Wissen und Weisheit, Zeremonien, Techniken und Felder. Räume, die gut sind für die Erde und alles Lebendige und die nächsten sieben Generationen.

Und Manches muss wirklich überarbeitet oder auch abgeschlossen werden. Es passt nicht mehr für die neue Zeit. Viele Zeremonien, viele Gedanken, viele Gespräche und auch der Austausch mit den Natives haben mir nun den Mut und die Entscheidungskraft gegeben, Ausbildungen anzubieten. Natürlich sind 16 Jahre unrealistisch. Darum biete ich zu einzelnen Themenschwerpunkten eine fundierte, solide Schulung an, in der natürlich auch die eigene Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Rolle spielt.

In acht bis zehn Jahren möchte ich mich dann Schritt für Schritt, langsam und bedacht, zurückziehen aus meinen vielen Reisen und Seminaren, und Platz machen, für die, die nach mir kommen. Dafür wird es ein Netzwerk geben. Das bedeutet, dass ich all meine Ressourcen von schamanismus.net zur Verfügung stellen werde. Für diejenigen, die dann ein Teil des Netzwerkes sind.

Große Veränderungen geschehen also auch auf meinem Wege. Ich freue mich darauf. Und beginne 2017/2018 mit einer Basic-Ausbildung zur Schwitzhüttenleiter/in. Warum eine gute Ausbildung Sinn macht, was die Medizinhütte der singenden Steine in all ihren Dynamiken bewirkt, wie das Ritual vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird, gebe ich in der zweijährigen Ausbildung weiter. Wer tiefer gehen und schamanische Initiationsrituale zum/zur Schwitzhüttenleiter/in erfahren möchte, kann dies 2019 im „deep in“ (Master) tun. Geplant sind zusätzliche Fortbildungsreihen, wie Schwitzhütte und Kinder / Heilungsrituale mit schwer Kranken / Sterbenden / Frauen etc.

Weiters freue ich mich, eine zweijährige Grundausbildung in „shamanic soul healing – sacred cacao ceremony“ begleiten zu dürfen. Sie besteht aus einem Wochenende und vier Intensiveinheiten, mit viel Zeit dazwischen, um praktische Erfahrungen zu sammeln.

Alle Ausbildenden haben die Möglichkeit, in meinen Seminaren zu hospizieren und ihre Erfahrungen zu vertiefen.

Ich freue mich auf all die Schüler und Schülerinnen, die sich bei mir einfinden werden. Es ist ein gutes Gefühl, dass mein Erbe, welches ich von den indigenen Völkern erhielt, weitergetragen wird!

Aus der Tiefe meines Herzens.

In Verbundenheit

Sonia Emilia Rainbow